RAI students - Rationaler Antibiotikaeinsatz durch Information

Vorhabenlaufzeit 05.2019 - 12.2021

Zur Förderung eines rationalen Antibiotikaeinsatzes wurden im InfectControl 2020 Basisprojekt RAI seit Anfang 2015 Informations- und Kommunikationsmaterialien für Verschreiber und Anwender im human- und tiermedizinischen Sektor entwickelt.

Sowohl in Befragungen innerhalb der ersten Phase von RAI Basis als auch in der Evaluation der Tools hatten Fortbildungen bei der Ärzteschaft einen hohen Stellenwert. Externe Erhebungen ergeben einen deutlichen Ausbildungsbedarf auch bei Studierenden zu dieser Thematik.

Da Medizinstudenten die Verschreiber von morgen sind, sollen diese nun im Anschlussprojekt „RAI students“ gezielt adressiert werden. Hierzu sollen die Erfahrungen, Inhalte und Materialien aus dem RAI Basisprojekt genutzt und für die Zielgruppe der Studierenden weiterentwickelt werden. Um auch zukünftige Apotheker (wichtige Schnittstelle zwischen Verschreiber und Patient) miteinzubeziehen, soll ein Teil der Schulungsmaterialien auch bei Pharmaziestudenten zum Einsatz kommen. Ziel ist es, die Kompetenz zum Thema rationale Antibiotika-Anwendung und antimikrobielle Resistenz unter den Studierenden mit Hilfe von Zielgruppen-optimierten Materialien zu verbessern und so nachhaltig auf das Verordnungsverhalten künftiger junger Ärzte einzuwirken. Für die Wissensvermittlung sowie das Bewusstmachen der Problematik von nicht-rationalem Antibiotika-Einsatz und Resistenzentwicklung sollen multimediale Kursmodule für die universitäre Lehre aufgebaut werden. Ziel ist dabei einerseits, das Thema modellhaft in das Medizin- bzw. Pharmazie-Curriculum zu integrieren, andererseits aber auch, Materialien zu entwickeln, die von Studierenden deutschlandweit unabhängig vom Lehrplan der jeweiligen Universität genutzt werden können.

Beteiligte Partner sind:

  • Charité – Universitätsmedizin Berlin (Koordinator)
  • Technische Universität Berlin
  • Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Interventionsphase startet

 

„Es gibt ein ständiges Sicherheitsbedürfnis. […] Dass dies für die Allgemeinheit ein Problem darstellt, da wieder ein kleiner Beitrag dazu geleistet wird, dass das eingesetzte Antibiotikum möglicherweise irgendwann nicht mehr wirkt, wird dann auch mal ausgeblendet. Der Arzt ist in der Situation emotional ganz anders involviert.“ Chefarzt Anästhesie und Intensivmedizin im Rahmen der Qualitativen Erhebung im Jahr 2015.

Was dieser Chefarzt einer Intensivstation beschreibt, ist eine der Barrieren, die den rationalen Einsatz von Antibiotika erschweren können – in diesem Fall ein hohes Sicherheitsbedürfnis. Zusätzlich bewegen sich Ärzte, sowohl aus der Human- als auch der Tiermedizin, im Spannungsfeld zwischen evidenzbasierten Empfehlungen, dem eigenen Sicherheitsbedürfnis und dem Wohl des Patienten.

Diese und viele weitere Barrieren des rationalen Umgangs mit Antibiotika wurden im Rahmen des Forschungsprojekts und Basisvorhabens »RAI« sektorenübergreifend analysiert. ( http://www.rai-projekt.de/rai/verstehen/)

An den ermittelten Barrieren setzte die Entwicklung der Interventionsmaßnahmen an. Dabei werden sowohl Lücken im Wissen als auch Barrieren im Alltag berücksichtigt, unberücksichtigt blieben systembedingte Barrieren, die in den Strukturen von Verwaltung und Gesetzgebung im Gesundheitswesen verankert sind.

Ob Chefärzte, Oberärzte oder Assistenzärzte aus Anästhesie, Intensivmedizin und Chirurgie, ob Hausärzte oder Tierärzte, ob Landwirte oder Allgemeinbevölkerung, in einem Punkt waren sich alle Teilnehmer der Befragung einig: das Thema Antibiotikaresistenzen ist von hoher Relevanz. Und die Bereitschaft, entsprechend zu handeln, scheint groß zu sein.

Ab August 2016 werden auf dieser Basis entwickelte Maßnahmen gestaffelt eingeführt und getestet. Dabei wurde viel Wert auf Alltagstauglichkeit gelegt – die mit Nutzertests in einem itterativen Prozess verbessert wurde.

Tierärzte mit den Schwerpunkten Schwein und schweinehaltende Landwirte

Um Tierärzte mit den Schwerpunkten Schwein und schweinehaltende Landwirte zum Thema Einsatz von Antibiotika zu informieren, wurde eine Podcast-Serie entwickelt in dem ein Experte aus der Praxis und Wissenschaft gemeinsam zu Themenschwerpunkten diskutieren. Die im »Schweine-Cast« angesprochenen Themen werden in begleitenden Info-Broschüren vertieft. Diese Broschüren bieten komprimiertes Hintergrundwissen zu der jeweiligen Podcast-Folge und bereiten dieses mit Infographiken verständlich auf.

Ansprechpartner:
N.N.

Hausärztlicher Bereich

Die Intervention im hausärztlichen Bereich setzt auf die Unterstützung der Arzt-Patienten-Kommunikation kombiniert mit einem Instrument zum Selbstmonitoring des Verordnungsverhaltens durch

  • einen Infozept-Generator zur online- Erstellung von Informationsmaterialien mit Schwerpunkt auf akute Atemwegserkrankungen. Die Infozepte beantworten mögliche Fragen von Patienten um Symptome zu entdramatisieren, bieten anschauliche Erklärungen zur Symptomlinderung und unterstützten dadurch den Arzt auf Antibiotika zu verzichten. Diese Patienteninformationen gibt es in Deutsch, Englisch, Türkisch und Arabisch zum Ausdrucken und überwindet damit mögliche Sprachbarrieren in der Hausarztpraxis.
  • eine Smartphone App, verbunden mit einem Bluetoothbutton, die das eigene Verordnungsverhalten von Antibiotika bei akuten Atemwegsinfektionen ohne großen Aufwand erfasst – es genügt ein Knopfdruck pro Verordnung.
  • Fortbildungen zur rationalen Antibiotikatherapie.

Ansprechpartner:

für Berlin und Brandenburg
Herr Dr. Florian Salm
E-Mail: florian.salm@charite.de

für Thüringen
Frau Dr. Inga Petruschke
E-Mail: inga.petruschke@med.uni-jena.de

Stationärer Bereich

Im stationären Bereich verfolgt die Intervention einen Train-the-Trainer-Ansatz. Ärzte mit Leitungs- bzw. Fortbildungsverantwortung auf einer Intensivstationen oder in einer chirurgischen Abteilung (Unfallchirurgie/Orthopädie, Allgemein-/Viszeralchirurgie) werden zentral zur antimikrobiellen Therapie wichtiger Krankheitsbilder fortgebildet und bekommen ein Konzept sowie Materialien an die Hand, um das Wissen in ihren Abteilungen weiterzugeben und Versorgungsprozesse zu verbessern. Um Effekte dieser Maßnahmen in den einzelnen Krankenhäusern zu überwachen, ist die selbständige Durchführung von Mini-Audits zur rationalen Antibiotikatherapie durch die teilnehmenden Kollegen notwendig.

Ansprechpartner:
RAI.ZIMK@med.uni-jena.de bzw.
Frau Dr. Anne Moeser
E-Mail: anne.moeser@med.uni-jena.de

Weitere Informationen erhalten Sie auf der RAI-Webseite.